Christ sein heißt: Jesus kennen

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Christen heißen Christen, weil sie von Jesus Christus begeistert sind. Beim christlichen Glauben geht es nicht darum, zu einer Kirche oder einer frommen Clique zu gehören. Es geht auch nicht darum, bestimmte Glaubenssätze zu unterschreiben. Und erst recht nicht um moralische Vorschriften. Christ sein heißt Jesus kennen und ihm folgen. Aber was ist das eigentlich für ein Mensch, dieser Jesus? Warum folgen ihm bis heute Millionen von Menschen nach? Und warum lohnt es sich überhaupt, über Jesus nachzudenken?

Ein Mensch, der fasziniert

Jesus fasziniert. Schon oft von Medien und Meinungsmachern totgesagt, bewegt er bis heute mehr Menschen als jede andere Person der Weltgeschichte. Jede Woche erscheinen neue Jesus-Bücher auf dem Markt. Da gibt es das „Jesus-Komplott“, den „Jesus-Krimi“ oder die „Verschlußsache Jesus“. Wie aktuell Jesus ist, zeigt sich, wenn Phil Collins und Die Doofen ihm ganze Songs widmen. Wenn Whitney Houston „Jesus loves me“ singt und Whoopi Goldberg „I will follow Him“.

Viele der großen Persönlichkeiten unseres Jahrhunderts wurden durch die Begegnung mit Jesus radikal verändert: Albert Schweitzer, der sich als Theologe mit dem Leben Jesu befaßte und Konsequenzen zog: Er ließ Dozentenstelle und Gehalt zurück, um sich im afrikanischen Dschungel als Arzt um kranke Menschen zu kümmern. Martin Luther King, ein einfacher Baptistenpastor, der im Namen Jesu gewaltlos gegen die Rassenunterdrückung in Amerika kämpfte. Mutter Theresa, die in den Slums von Kalkutta Aidskranke von der Straße holt, um ihnen ein würdiges Sterben zu ermöglichen.

Aber es sind nicht nur Christen, die von Jesus fasziniert sind: Mahatma Gandhi, selbst ein überzeugter Hindu, nannte Jesus „einen der größten Lehrer, den die Menschheit je hatte“. Und ein jüdischer Historiker schreibt: „Jeder objektive und unvoreingenommene Erforscher der Evangelien muß von der unvergleichlichen Größe Jesu beeindruckt sein.“

Jesus ist kein alter Hut. Man kann über ihn denken, was man will. Aber keiner kann ihn als unwichtig auf die Seite schieben. Die Frage, wie wir zu Jesus stehen, gilt jedem von uns. Egal, ob wir an ihn glauben oder nicht.

Ein Leben, das herausfordert

Jesus fasziniert, weil er uns vorgelebt hat, wie echtes Leben aussehen kann. Jesus war nicht nur ein abgehobener religiöser Guru, der nichts als weise Sprüche verkauft hat. Milan Machovec, ein tschechischer Atheist, sagt: „Die Lehre Jesu setzte die Welt in Brand nicht wegen irgendeiner offenkundigen Überlegenheit des theoretischen Programms, sondern vor allem, weil er selbst identisch mit diesem Programm war“. Bei Jesus sehen wir, wie echter Glaube und authentisches Leben zusammenkommen. Bei ihm treffen leidenschaftliche Aktion und tiefe Ruhe aufeinander. Kompromisslose Streitbarkeit und geduldige Friedfertigkeit. Eine Vollmacht, Krankheiten zu heilen und Menschen zu befreien, die sich mit Geistern eingelassen haben. Ein Einsatz für die Armen und Schwachen, der nicht durch Haß gegen die Reichen, sondern durch tiefe Liebe getragen ist.

Das Leben, das wir bei Jesus sehen, fordert uns heraus: Hier sehen wir einen Entwurf, wie Leben gelingen kann. Es ist eine Einladung an jeden, der auf der Suche nach einem sinnvollen Leben ist. Es ist ein Angebot an jeden, dessen eigene Entwürfe vom Leben mißlungen sind. Aber es ist auch eine radikale Herausforderung für laues Kirchenchristentum, für weltfremde Frömmelei und für Leute, die sich nach Jesus Christen nennen, ohne ihm wirklich konsequent zu folgen.

Eine Botschaft, die befreit

Jesus hat seine Botschaft in einem kurzen Merksatz zusammengefaßt: Krempelt euer Leben um, denn Gottes Herrschaft ist nahegekommen! Das war keine weltfremde Botschaft. Schon zwanzig Jahre später bezeichneten Gegner die ersten Christen als „die Leute, die die ganze Welt auf den Kopf gestellt haben.“ Jesus hat die Leute eingeladen zu einem Leben nach völlig neuen Maßstäben: Statt übereinander zu herrschen, sollten sie einander dienen. Statt zurückzuschlagen, sollten sie ihre Feinde lieben. Statt Geld zu raffen, sollten sie es den Armen schenken. Statt sich immer neue Sexpartner zu suchen, sollten Männer und Frauen in verbindlichen Beziehungen vorleben, was Treue bedeutet. Statt einander zu verurteilen, sollten sie lernen, einander zu vergeben.

Die Maßstäbe, die Jesus gesetzt hat, stehen gegen den Trend. Das war damals so und ist heute so. Aber genau darum geht es Jesus: Wer nach seinen Maßstäben lebt, der ist frei von dem Druck, zu tun, was alle tun. Der braucht sich nicht von Trends und Cliquen tyrannisieren zu lassen. Wer den Mut hat, Jesus zu folgen, der braucht sich sein Leben nicht mehr von irgendwem anders vorschreiben zu lassen. Der kann selbst entscheiden, was gut und was schlecht, was ‚in‘ und was ‚out‘ ist. Weil Jesus Maßstäbe setzt, die die Welt auf den Kopf stellen. Das ist eine Botschaft, die befreit.

„Krempelt euer Leben um, denn Gottes Herrschaft ist nahegekommen.“ Weil Gott uns in Jesus nahekommt, lohnt es sich, das Leben zu ändern: Jesus hat von einem Vater erzählt, der zwei Söhne hatte: Der eine davon wollte lange Zeit nichts mit seinem Vater zu tun haben. Er wollte sein eigenes Leben führen, sich nicht vom Vater reinreden lassen. Er verließ das Haus seines Vaters, und der hinderte ihn nicht daran. Aber das Leben nach den eigenen Vorstellungen ging daneben. Erst als er ganz am Ende war, raffte der Sohn sich auf und ging zu seinem Vater zurück. Und der wartete schon auf ihn mit offenen Armen. Statt einer Moralpredigt gab es ein Fest mit Tanz und Musik.

Jesus sagt: So wie dieser Vater ist Gott. Er zwingt uns nichts auf, was wir nicht wollen. Wenn wir uns von ihm verabschieden, läßt er uns gehen. Aber wenn wir merken, daß wir ohne ihn nicht leben können, dann freut er sich, wenn wir zu ihm zurückkommen. Er bestraft uns nicht, sondern lädt uns ein, mit ihm ein Fest zu feiern. Das Fest des Lebens. Deshalb lohnt es sich, das Leben umzukrempeln und zurückzukehren zu Gott.

Ein Tod, der Sinn macht

Es dauerte nicht lange, da hatte sich Jesus genug Feinde gemacht mit seiner Botschaft. Daß Gott nahekommt, ist zwar eine gute Nachricht für viele. Aber für die, die ihr Leben nicht ändern wollen, ist das bedrohlich. Sie wollen sich nicht von Jesus in Frage stellen lassen. „Ich will so bleiben, wie ich bin“ – das ist ein Lebenskonzept, daß es damals wie heute gab. Solange Jesus über Friede, Freude und Eierkuchen predigt, ist das okay. Aber wenn er mir reinreden will, wie es in meiner Brieftasche oder in meinem Bett aussehen soll, da ist das natürlich was anderes. Da kommt mir Jesus gerade nicht gelegen.

Das haben sich viele Leute damals auch gesagt: Wenige Tage, nachdem Jesus begonnen hatte, in der Hauptstadt Jerusalem zu predigen, schrien sie schon: „Weg mit ihm!“. Jesus wurde zum Tode verurteilt, brutal gefoltert und am Kreuz hingerichtet. Und er ließ das geschehen. Er rief seine Freunde nicht zum Widerstand auf. Er versuchte nicht, sich zu wehren. Er stellte sich dem Haß und dem Zorn seiner Feinde. Und er betete noch: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Das Kreuz, an dem Jesus starb, ist für die meisten Leute der größte Stolperstein am christlichen Glauben. Man versucht, dieses Kreuz zu beschönigen oder zu vertuschen. Was Jesus gepredigt hat – das ist okay. Daß er Kranke geheilt hat – toll. Daß er Dämonen vertrieben hat – na ja. Aber daß er am Kreuz gestorben ist – pfui! Das kann doch nicht sein. Moderne Jesusbücher reden deshalb gern von Scheintod. Für den islamischen Glauben ist es ebenfalls unvorstellbar, daß Gott einen Propheten wie Jesus sterben ließ. Im Koran kann man deshalb lesen, statt Jesus habe man einen seiner Freunde gekreuzigt. Aber das alles sind nur Versuche, die brutale Wahrheit des Kreuzes zu verschleiern. Eine Wahrheit übrigens, die nicht nur in der Bibel, sondern auch in den römischen Geschichtsbüchern und in den jüdischen Schriften der damaligen Zeit festgehalten wurde.

Aber was macht das für einen Sinn? Warum mußte Jesus überhaupt sterben? Die Antwort hat er selbst gegeben. Er sagte seinen Freunden kurz vor seinem Tod: „Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als ein Lösegeld für viele“. Damit hat er sich selbst gemeint: Ich bin gekommen, um mein Leben zu geben. Das ist das Einzigartige an Jesus: Viele Religiöse Lehrer haben gelebt, um zu lehren, und sind schließlich gestorben. Aber Jesus hat gelebt, um zu sterben. Das war der eigentliche Sinn seines Lebens:

In Jesus kam Gott uns nahe. Er wußte, daß wir uns gegen diese Nähe wehren. Er wußte, daß ihn Haß und Feindschaft erwarten. Trotzdem war er bereit, sein Leben einzusetzen für uns. Sein Tod ist ein Beweis dafür, wie sehr Gott uns liebt: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn hergab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verlorengehen, sondern ewig leben.“  Das hat Jesus gesagt, und er wußte, was das für ihn bedeutet.

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als ein Lösegeld für viele“. Das Bild, das Jesus hier verwendet, ist faszinierend: Der Menschensohn, das war ein biblisches Bild für den Richter der Welt. Für den, der endgültig unsere Welt beurteilt. Jesus hat für sich beansprucht, dieser Richter der Welt zu sein. Und als solcher hätte er eigentlich ein Todesurteil über diese Welt sprechen müssen: Eine Welt, die sich gegen ihren Schöpfer wendet, ist zum Tod verurteilt. Aber der Richter der Welt war bereit, seinen Richterstuhl zu verlassen, selbst in die Anklagebank zu treten und den Preis an unserer Stelle zu bezahlen. Das ist der Sinn des Kreuzes. Es ist ein Tod, der Sinn macht. Und ein erstaunlicher Beweis dafür, wie sehr Gott uns liebt.

Ein Gott, der sein Gesicht zeigt

Der Tod war nicht das letzte. Nach drei Tagen fanden die Freundinnen und Freunde von Jesus sein Grab leer. Und sie begegneten dem lebendigen Jesus. Die Auferstehung Jesu ist keine religiöse Idee oder eine abstrakte Lehre. Es gibt jede Menge historischer Indizien dafür, daß es sich um ein tatsächliches Ereignis handelt. Allerdings um ein Ereignis, das in der Geschichte der Menschheit einzigartig ist. Ein Ereignis, daß die Welt verändert hat.

Die Leute, die dem auferstandenen Jesus begegneten, verstanden: Jesus war viel mehr als ein gewöhnlicher Mensch. Er war mehr als ein relgiöser Lehrer oder ein begabter Prophet. Sie verstanden: Hier begegnet uns Gott selbst und zeigt uns sein Gesicht. Die Auferstehung war so etwas wie Gottes eigenhändige Unterschrit unter dem Leben von Jesus.

Wenn Jesus nicht auferstanden wäre, dann wäre das Christentum eine armselige Sache. Man könnte genausogut an Goethe, Buddha oder die eigene Großmutter glauben. Jesus wäre ein großer Toter und nicht mehr. Und die Kirchen wären Gedenkstätten für eine zweitausend Jahre alte Ideologie.

Aber weil Jesus auferstanden ist und heute lebt, lohnt es sich, ihm zu folgen. Denn nur hier bekommen wir mehr als religiöse Ideen, mehr als fromme Überzeugungen und mehr als kirchliche Traditionen. Hier bekommen wir sichere Auskunft darüber, wer Gott ist und wie Gott ist. Weil Gott uns in Jesus endgültig sein Gesicht gezeigt hat. Hier bietet Gott uns eine Freundschaft an, die den Tod überdauert. Weil Jesus den Tod besiegt hat. Hier bietet Gott uns ein Leben an, das jeden Tag neue Herausforderungen bietet. Weil es ein Leben in der Bezehung zum lebendigen Jesus ist.

Wie kann diese Beziehung anfangen? Informiere dich über Jesus. In der Bibel gibt es ausführliche Berichte über sein Leben, z.B. das Evangelium des Lukas. Laß dich von Jesus in Frage stellen. Wo ist in deinem Leben Haß oder Feindschaft gegen Gott? Fang an, mit Jesus zu reden. So, wie dir der Schnabel gewachsen ist. Und nimm sein Angebot der Freundschaft an. Jesus sagt: „Komm, folge mir.“


Quelle: dran Sonderheft, Mai 1996, S.16-18 (816 kB)

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